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Ein gelungenes Wochenende auf der Lazy Horse Ranch

Ronald fragte so locker rum: „ Ich bin auf der Suche nach jemandem, der einen kleinen Bericht über unsere Klausurtagung schreibt, hättest du nicht Lust dazu?“ „Ja“, antwortete ich spontan.

Vom 21-23.09.2011 überarbeiteten mehr als 20 Psychiatrie-Erfahrenen der Landesarbeitsgemeinschaft in Niedersachsen das bereits im Januar/Februar 1997 erstellten Positionspapier.

Damals ging es uns Psychiatrieerfahrenen um die Selbstpositionierungen zu Themen, die im direkten Zusammenhang mit eigenen Lebenskrisen und erlebten Unterstützungsangeboten durch die Psychiatrie standen. Wir diskutierten über den aktuellen Stand der psychiatrischen Versorgung; was wir daran als echte Hilfe empfanden und welche Kritikpunkte aufgezeigt werden mussten, da psychiatrische Intervention, wider ihrer Absicht folgend, zu zusätzlichen Belastungen und Trauma führten.

Ist eine Position gefunden, die im Konsens mehrheitlich vertreten wird, kann davon ausgehend eine Auseinandersetzung auch mit Angehörigen und Professionellen geführt werden die Veränderungen im Sinne der Psychiatrie-Erfahrenen anschieben können.

Das 1997/98 entstandene Positionspapier ist auf der Homepage der LPEN abrufbar.

„Was ist von unseren damaligen Forderungen, unseren Kritikpunkten, Wünschen und Anklagen gehört worden?“ „Was hat sich gewandelt, was blieb, wie es war?“ „Welchen Handlungsbedarf sehen wir heute? “ In Rhede-Neurhede hatten wir nun zwei Tage Zeit, antworten auf diese Fragen zu finden.

Dass Wetter war auf unserer Seite, der Altweibersommer bescherte uns optimale Bedingungen. Die Lazy Horse Ranch mit ihrem besonderen Charme unterstützte uns meines Erachtens auf ihre ganz eigene Art.

Am frühen Abend trafen wir so nach und nach ein. Begrüßungen unter Denen , die sich schon kannten, neugieriges aufeinander Zugehen unter Denen, die dort zum ersten Mal aufeinander trafen. Einige bezogen schon ihre Zimmer, andere tranken Kaffee, rauchten dazu oder auch nicht.

Um uns herum Natur pur. Pferde, Ställe, ein Grillplatz und eine große Wiese, die wir, wie sich am nächsten Tag herausstellen sollte, als einen idealen Versammlungsort für die Arbeit in unserem Großgruppenplenum und den Arbeitsgemeinschaften in Kleingruppen nutzen konnten.

Die Ruhe, die von diesem Ort ausging, übertrug sich schnell auf unsere Laune. Allgemein verbreitete sich unter uns Teilnehmer_innen Freude und Lust auf das bevorstehende, gemeinsame Wochenende.

Einige Teilnehmer_innen kamen später als gedacht. Ihr Zug hatte Verspätung. So saßen wir dann gegen 20.00 Uhr alle zusammen beim Abendbrot. Unser Schatzmeister sprach einige Worte zur Begrüßung, und neben dem Essen und trinken kamen wir miteinander ins Gespräch. Wir redeten, redeten und redeten. Die Gespräche, die sich während des Essens entwickelt hatten, verlagerten wir nahtlos in einen angeregten, wortreichen Abend, der erst kurz vor Mitternacht zu Ende ging.

Am Samstagmorgen bot Friedrich Tai Chi unter freiem Himmel an, wer wollte konnte wahlweise mit Astrid und Mathias eine Westernreitstunde auf einem Quaterhorse nehmen.

An dieser Stelle war ich irritiert, so hatte ich Sorge, die Arbeit an unserm Positionspapier könne bei all Dem zu kurz kommen. Im Nachhinein bin ich überzeug davon, dass unsere inhaltliche Arbeit in unseren Arbeitsgruppen auch darum so intensiv und erfolgreich geleistet werden konnte, weil sich die Ruhe der Umgebung auf uns übertrug, und darauf aufbauend die anregende Wirkung durch das Reiten und die Teilnahme am Tai-Chi unseren Geist beflügelte.

Nachmittags trafen wir uns gemeinsam in großer Runde. Reih um stellten wir uns den anderen vor und bildeten anschließend Kleingruppen, die an je drei Themen des ehemaligen Positionspapieres weiterarbeiteten. Die Ergebnisse der einzelnen Arbeitsgruppen werden als Ausarbeitung formuliert, und später uns allen zur Verfügung gestellt.

In einer Abschlussrunde präsentierten wir uns unsere Arbeitsergebnisse. Ich bin sehr angetan und freue mich über den Austausch der Erfahrungen, der in den Tagen in Rhede-Neurhede stattgefunden hat. Wir haben uns gegenseitig Mut gemacht, Wissen geteilt, und dadurch nicht zuletzt neue Erkenntnisse gewonnen.

Das gemeinsame Grillen am Abend wurde von Friedrich mit seinem Akkordeon begleitet. Wer hätte gedacht, dass sich dazu „abrocken“ lässt. ☺ Danke Friedrich.

Nicht nur mir wird es so gehen, dass ich mich mit auf ein Wiedersehn mit dem einen oder der anderen freue.Ich freue mich auch auf die Ergebnisse der Arbeitsgruppen, die in der dann aktualisierten Fassung eines Positionspapieres der Landesarbeitsgemeinschaft der Psychiatrieerfahrene Niedersachen für alle zugänglich gemacht werden soll.

Zwei offene Themen sind u.a. die: „Integrierte Versorgung“, sowie die „UN-Behindertenrechtkonvention“, als Inhalte, mit denen wir uns in der Zukunft beschäftigen wollen.

Liebe Grüße nun an alle, die an der Tagung teilnahmen, und auch an Astrid und Mathias Braune, die, wie sie mir versicherten, uns gerne als Gäste bei sich hatten.

Constance Taddey
Psychiatrie-Erfahrene, staatl. anerkannte Erzieherin, Diplom Sozialpädagogin Niedersachsen den 09.10.11