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tagung in loccum mein ganz persönlicher eindruck

kein mensch schlachtet die kuh, solange er sie noch melken kann!

letztendlich schienen mir beinahe alle teilnehmer der loccumer tagung heimlich bereit, sich mit der manifestierung der möglichkeit der zwangsbehandlung im betreuungsrecht zu arrangieren. gewalt ausüben ist in bürgerlichen kreisen schon lange geächtet, dafür hat man, gott sei dank, aber nach wie vor personal.

alle referenten waren akribisch bemüht, den eindruck zu erwecken, daß sie sich sicher niemals an zwangsmaßnahmen beteiligen würden, wirkten aber doch klammheimlich erleichtert, daß diese behandlungsmöglichkeit im repertoire psychiatrischen verfahrens erhalten bleiben soll.

besonders beeindruckt hat mich in diesem zusammenhang, daß die tonangebenden älteren herren, die für sich reklamierten, in den 70ger jahren von loccum aus die psychiatrie-enquet auf den weg gebracht zu haben, trotz eines spontan guten vorsatzes am dienstagabend, am mittwochmorgen nicht mehr in der lage waren, eine "loccumer erlärung" zu formulieren und zu verabschieden, die ihrer unzufriedenheit mit den machenschaften der regierung ausdruck gegeben oder sogar deren unterlassung gefordert hätte.

daran wurde deutlich, daß auch die initiatoren der psyciartie-enquete nu in 2. linie am wohlergehen der betroffenen interessiert waren. triebfeder der veränderung war letztendlich die beruhigung des bürgerlich-humanistischen gewissens durch die verschleierung bzw. rechtvertigung von gewalt.

die mitarbeiter der institutionalisierten psychiatrie können niemals gleichwertige partner ihrer klienten sein, da ihre eigene materielle existenz untrennbar an die fortdauer der leiden der betroffenen gekoppelt ist. siehe titel: niemand schlachtet die kuh, solange er sie noch melken kann.

anka meyer-erfurt