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Pressemitteilung

Selbsthilfegruppe Psychiatrie-Erfahrene Osnabrück

 c/o Lagerhalle  Rolandsmauer 26  49074 Osnabrück

 - Mitglied der Psychiatrischen Arbeitsgemeinschaft in der Region Osnabrück (PAR) -

 Kontakt: Doris Steenken  Tel.: 0541/8009522  E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 Matthias Wiegmann  Tel. 0541/589429  E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Norbert Arndt  Tel. 05407/6771  E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Unterbringung von Frau Gertrud W. in einem geschlossenen Wohnheim

Gertrud W. ist seit längerer Zeit Teilnehmerin unserer Selbsthilfegruppe. Sie wurde auf 

Betreiben ihrer gesetzlichen Betreuerin, Frau Sandbrink, Heinrichstraße 34, 49080 Osnabrück, 

vor wenigen Jahren Bewohnerin im Sanatorium Kassen, einem Wohnheim in Bad Iburg. Dort 

fühlte sie sich nie wohl. Sie meinte wiederholt sie sei eben kein “Wohnheimtyp”. 

 Da Gertrud W. diverse Anlaufstellen (Treff 82, Café Oase, Café Atempause, Selbsthilfegruppe 

Psychiatrie-Erfahrene, niedergelassener Psychotherapeut u. a.) und einige freundschaftliche 

Kontakte in Osnabrück hat, ist sie immer wieder von Bad Iburg nach Osnabrück gefahren, 

wo sie sich fast täglich aufgehalten hat. Osnabrück ist schon lange ihr Lebensmittelpunkt. 

Diese Struktur wurde ihr von Seiten des Sanatoriums Kassen zum Vorwurf gemacht und 

genommen. Auf Drängen dieser Einrichtung ist Frau W. Ende 2013 Patientin im AMEOS 

Klinikum Osnabrück geworden. Von dort aus wurde sie in dem geschlossenem Wohnbereich 

des Hauses Elisabeth in Bohmte untergebracht. Weil bei ihr aber keine Fremd- oder 

Selbstgefährdung vorliegen, halten wir, die Selbsthilfegruppe Psychiatrie-Erfahrene Osnabrück, 

eine Unterbringung in einem geschlossen Wohnheim für völlig unangemessen.

Vor einigen Wochen wurde Gertrud W. auf Betreiben des Hauses Elisabeth wieder ins AMEOS 

Klinikum Osnabrück eingewiesen. Wir besuchten sie auch dort regelmäßig und mussten dabei 

leider feststellen, dass sich ihr Befinden stetig verschlechtert hat. Wir kannten Frau W. als 

lebensfrohe und aufgeweckte Persönlichkeit. Bei unseren letzten Besuchen haben wir nur noch 

ein wimmerndes, zugedröhntes “Häuflein Elend” vorgefunden. Mittlerweile sitzt sie im Rollstuhl, 

da sie aufgrund der überdosierten Medikation nicht mehr laufen kann. In diesem Zustand wurde 

sie kürzlich wieder in den geschlossenen Bereich des Hauses Elisabeth in Bohmte entlassen. 

Im Haus Elisabeth wurden ihr mehrfach Telefonate und Besuche von außen verweigert. Sie 

darf nur 15 Minuten pro Tag in den umzäunten Außenbereich des Wohnheimes, obwohl Frau 

W. keine Straftaten begangen hat.

Wir finden es sehr befremdlich, dass ihre Betreuerin (Frau Sandbrink) wärend dieser 

schwierigen Zeit, in der Frau W. sehr auf ihre Hilfe angewiesen wäre, nur einmal mit ihr 

in Kontakt getreten ist. Uns erscheint es verantwortungslos und als Vernachlässigung der 

Fürsorgepflicht der Betreuerin, dass sie es unterlässt, sich ein Bild über den Zustand und die 

Entwicklung von Frau W. zu machen. 

Für uns stellt sich die Frage, wie diese Vorgehensweise, sie geschlossen unterzubringen, mit 

der UN-Behindertenrechtskonvention und dem Recht auf freie Selbstbestimmung vereinbar sein 

soll. Auch das Verhalten der Betreuerin erscheint uns als verantwortungslos. 

Unserer Überzeugung nach wäre es sehr viel angemessener, wenn Gertrud W. in Osnabrück in 

eine betreute Wohngruppe oder in ein offenes Wohnheim käme. So käme es nicht zu solchen 

gravierenden Einschnitten in ihre Freiheitsrechte wie derzeit. Dann könnte sie ihre bestehenden 

Anlaufstellen weiterhin aufsuchen, ihre sozialen Kontakte und ihre Freiheit erhalten und 

dadurch ihre Lebensqualität verbessern. 

Durch die beschriebene Wohnheimsituation fühlt sich Frau W. sehr belastet und ist daher 

ziemlich verzweifelt.