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6. Nds. Selbsthilfetag

Bericht über den 6. Niedersächsischen Selbsthilfetag 2014 der LPEN e. V. in Delmenhorst

Alternativen zur herkömmlichen Psychiatrie

Der diesjährige Niedersächsische Selbsthilfetag 2014 der LPEN e.V. fand

zum 6. Mal in Delmenhorst statt. Die Landesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-

Erfahrener Niedersachsen e.V., (LPEN e.V.) richtete diese Veranstaltung im

Zusammenarbeit mit der Delmenhorster Selbsthilfegruppe für seelische

Gesundheit "Relax" am Samstag, den 21. Juni 2014 im Evangelischen

Gemeindezentrum Stadtmitte, Lutherstraße 4 in Delmenhorst aus.

 

Das diesjährige Motto der niedersachsenweiten LPEN­Veranstaltung in Delmen-

horst lautete: >> Alternativen zur herkömmlichen Psychiatrie << und es kamen

insgesamt 35 interessierte Menschen aus den Städten Oldenburg, Bremen,

Achim, Hannover, Osnabrück, Schwülper, Scheeßel, Hambühren, Martfeld und

Delmenhorst.

Der 6. Nds. Selbsthilfetag 2014 in Delmenhorst war nach 6­jähriger "Abstinenz"

wieder ein erfolgreiches Treffen von und für psychiatrieerfahrenen Menschen aus

Bremen und Niedersachsen. Es fanden viele intensive Gespräche und ein

angeregter Austausch unter allen Anwesenden mit­ und untereinander statt.

Ronald und Baerbel hatten am Vortag schon die Einkäufe erledigt und mit Ihrem

Vor­Ort­Team der Selbsthilfegruppe "Relax" wie Brigitta u.a. am Grill und beim

Bock­würstchen aufwärmen, u.v.a.m., Ursula, Bärbel und Ronald kochten Tee,

Kaffee und schmierten viele Brötchen, deckten ein und ab und so konnten alle

gemeinsam am Veranstaltungstag nicht nur für Nachschub, sondern vor allem für

eine gute Atmosphäre und für die Gaumenfreuden der zum Teil Weitgereisten,

sorgen. Für Essen und Trinken war also gut gesorgt. Geschmierte Brötchen,

Bockwürste und Bratwürste sowie frisches Obst, Kekse und Süßes ... gingen "gut"

weg.

Auf verschiedenen Info­Tischen wurden eine Vielzahl an Informationen, Flyer,

Bro­schüren und Verlagsprospekten zu unterschiedlichen psychosozialen und

psychiatrischen Themen ausgelegt und ausgebreitet, es waren für alle

TeilnehmerInnen Info­Materialien für die tägliche Selbsthilfe­Arbeit vor Ort dabei.

Das Eintreffen war ab 11:00 Uhr möglich, der Beginn war planmäßig um 12:00

Uhr vorgesehen. Allerdings war im Vorfeld vieles unter­ und miteinander

auszutauschen – die TeilnehmerInnen sehen sich schließlich nicht sehr oft ­ und

so verlegte sich der "Startschuß" mit geringer Verspätung auf kurz nach 12:30 Uhr.

Und dann ging es los.

Der örtliche Veranstaltungsorganisator Ronald Kaesler, selbst Mitglied im LPEN

e.V. und im Bundesverband, BPE eröffnete den 6. Nds. Selbsthilfetag mit einer

kurzen Begrüßungsrede. Er stellte die beiden ReferentInnen Anka Meyer­Erfurt

aus Scheeßel und Christoph von Seckendorff aus Hannover sowie Birgit

Linnemann aus Osnabrück vor.

Christoph von Seckendorff sprach im Einführungsreferat zum Thema: "Arbeit als

sinnstiftende und existenzsichernde Betätigung". Im Anschluß hielt Anka Meyer-

Erfurt ihr Impulsreferat "Segel Setzen 2014" und Birgit Linnemann gab eine kurze

Einführung für die Klangschalen­Therapie.

Danach folgten verschiedene Berichte aus den Regionen Niedersachsens.

Nach­folgend wurden die 3 Arbeitsgruppen vorgestellt. Danach war für alle die

wohlver­diente Mittagspause.

Nach der Mittagspause starteten die 3 parallelen Arbeitsgruppen:

AG 1) Christoph von Seckendorff (Hannover) mit "Handicap na und ­ ich habe

trotzdem der Arbeitswelt was zu bieten"

AG 2) Anka Meyer­Erfurt (Scheeßel) mit der Fortsetzung: "Segel Setzen 2014 ­

Ganz normal ... , vom Suchen und Finden nichtpsychiatrischer Hilfen“

AG 3) Birgit Linnemann (Osnabrück) mit der „Vorstellung der Arbeit mit Klang-

schalen".

Nach einer halbstündigen Kaffeepause wurden die Berichte aus den 3 Arbeits-

gruppen vorgetragen:

Bericht der AG 1): "Menschen mit seelischen Schwierigkeiten haben es schwer,

auf dem Arbeitsmarkt ihren Platz zu finden und sich dort zu behaupten. Stigmati-

sierungen und Vorurteile der Arbeitgeber sind das eine ­ eigene Ängste, ­

Unsicher­heiten, ­ mangelnde Belastbarkeit und ­ mangelndes Selbstvertrauen der

Betroffenen sind das andere. Dabei haben diese Menschen viel zu bieten: ­

Einfühlungsver­mögen, ­ Krisenerfahrung, ­ Fachwissen und ­ Motivation.

Die Beratung, Vermittlung und Begleitung von Arbeit für Psychiatrie­Erfahrene ist

verbesserungswürdig. Ansätze und Standpunkte der Interessengemeinschaft see-

lisch gesundender Menschen in Arbeit oder Rehabilitation (IGsgMAR) zu diesem

Themenkomplex wurden in dem Workshop eingehend diskutiert."

Bericht zur Gesprächsrunde der AG 2): "Segel Setzen 2014": Zunächst wurde

festgestellt, daß in dieser Runde keine entgültigen Lösungen für diese Initiave

gefunden werden konnten. Auch mußten wir erstmal gemeinsam eine Vorstellung

von "nichtpsychiatrischen Hilfen" entwickeln. Fazit nach intensivem Austausch mit

viel eigenem Hintergrund: für die Betroffenen, die im System "Psychiatrie"

angekommen sind, um dort "behandelt" zu werden, sind "nichtpsychiatrische

Hilfen" kaum zu finden. So etwas könnte mit beginnender Krise stablisierend

wirken oder nach einer "Behandlung" zur Unterstützung des

Rehabilitationsprozesses. Auf jeden Fall fordert es von den Mitarbeitern der

Institutionen ein Umdenken in neue Angebote oder Maßnahmen.

Bericht zu AG 3): Was bewirken Klangschalen ? ­ Sensibilisierung und

Selbstwahr­nehmung der bespielten Person, ­ (Tiefen­)Entspannung durch Klang

und Vibra­tionen, ­ Aktivierung der Selbstheilungskräfte, ­ Steigerung des

Wohlbefindens, Freu­de wecken, ­ Erlangen von Vertrauen/Urvertrauen, ­

Linderung von körperlichen An­spannungen und Spasmen, ­ Steigerung der

Konzentration, ­ Stimulation bei Nerven­ausfallerscheinungen, ­ Körper, Geist und

Seele in Einklang bringen.

Woher kommen Klangschalen ? Ursprünglich aus buddhistischen Klöstern in

Tibet, sie wurden für religiöse Zeremonien verwendet. Heute werden sie in Indien

und Nepal zum Teil in Handarbeit aus 7 bis 12 Metallen geschmiedet, darunter

auch Edelmetalle wie Messing und Gold. Es wurden im Workshop keine langen

Vorträge gehalten, sondern die Wirkung der Klangschalen wurde für die

Teilnehmer erfahrbar gemacht.

Der 6. Nds. Selbsthilfetag 2014 fand seinen Ausklang in einem Plenum und

Ronald sprach ein paar angeregte Schlußworte und verabschiedete die

TeilnehmerInnen und wünschte allen einen guten Heimweg.

Nach Aussagen einiger TeilnehmerInnen hat Ihnen der 6. Nds. Selbsthilfetag der

LPEN e.V. in Delmenhorst gut gefallen. Die schönen und zugleich zweckmäßigen

Räumlichkeiten sind sehr ansprechend und haben vielen zugesagt. Für die

Gesamtorganisation bedankten sich die TeilnehmerInnen bei den Veranstaltern.

Das Ende der Veranstaltung war gegen 17:45 Uhr.

Delmenhorst, den 30. Juni 2014 von Ronald Kaesler