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Absetzen, warum,wann,wie- Bericht über das DGSP-Symposion 13.11.2014

Bericht über das Symposium der DGSP­Tagung zum Thema:
Psychopharmaka absetzen – warum, wann und wie
am Morgen danach.....
Wer mich kennt, weiß, dass ich eine nahezu radikale Antipathie hege
gegenüber den Mitmenschen, die auf der von mir sogenannten „Heilerseite“
auf Kosten der Betroffenen ihren Lebensunterhalt erarbeiten.
Mit dieser Grundhaltung hatte ich mich voller Skepsis zur o.e. Veranstaltung
angemeldet. Begleitet wurde ich von zwei Neumitgliedern, von denen ich
weiß,dass ihre Akzeptanz ärztlicherseits angeboterer „Heilverfahren“ sehr
stabil ist.

Für uns drei war diese Veranstaltung also unter sehr unterschiedlichen
Voraussetzungen ein besonderes Ereignis
Wie auch vom Veranstalter besonders hervorgehoben, war dies die erste,
auf der das Absetzen von Psychopharmaka einziges Thema war.
Dementsprechend waren die Referenten esrtmals grundsätzlich gegen die
Vergabe dieser Drogen.Die Schäden,die durch die bekanten
Nebenwirkungen bei den Betroffenen ausgelöst werden,wurden einhellig als
kontraproduktiv bewertet.Nicht ganz so deutlich war zu hören, dass diese
ganze medikamentöse Behandlerei einzig der Pharmaindustrie nutzt.
In diesem Zusammenhang war der Bericht über die Situation in
Griechenland sehr besonders. Anna Emmanouelidou schilderte die
Entwicklung seit Beginn der „Wirtschaftskrise“ für die Betroffenen zum Teil
als existenzbedrohend.
Viele Griechen seien aus materiellen Gründen zum Absetzen gekommen,
als die griechischen Krankenversicherungen die kostenübernahme für diese
Medikamente eingestellt habe.Eine Packung Zyprexa kostet z.B. 400Euro,
die Griechen haben aber z.Zt. im Durchschnitt nur 500Euro zum
Lebensunterhalt zur Verfügung. Daraus erklärt sich von selbst, wie groß die
Nachfrage nach Begleitung beim Absetzen z.Zt. ist.
Begonnen haben aber Asmus Finzen und Peter Lehmann, eigentlich seit
Jahren in verschiedenen Lagern aktiv, aber dennoch einig in der Ansicht,
dass insbesondere der fahrlässige Umgang mit hohen Dosen dieser
Medikamente den Tatbestand des Kunstfehlers, im Extremfall, wenn z.B. ein
Versäumnis der Aufklärung dokumentiert ist, auch den der Körperverletzung
erfüllt. Beide wünschen sich übereinstimmend, dass ein Betroffener sich
entscheidet, derartiges einmal anzuklagen.
Die folgende Referentin, Margret Osterfeld, wurde auf eigenen Wunsch mit
dem besoneren Hinweiß auf den Beginn ihrer beruflichen Laufbahn
vorgestellt, pharmazeutisch­technische Assistentin. Daraus leitet sich ab,
dass sie noch vor Beginn ihres Medizinstudiums spezielle Kenntnis über
Zusammensetzung und Wirkung von Medikamenten sammeln konnte.
Im Vergleich dazu erwähnte sie, dass der Bereich Pharmazie in der
Medizinerausbildung mit zwei Semestern nach wie vor ein vernachlässigtes
Studienfeld ist. Dadurch entsteht z. B. die Situation, daß die Erfahrung über
die Wirkung der verordneten Medikamente sich erst im Laufe der beruflichen
Praxis einstellt. Ihr Anliegen ist es, alle am Behandlungsverlauf Beteiligten
zu erhöhter Beachtung ihrer Verantwortung für das Wohlergehen ihrer
Patienten aufzufordern. Zum Teil entstehen Fehlbehandlungen einfach nur
durch Fehlbewertungen im Rahmen der immernoch herrschenden Hierarchie
innerhalb der zur Behandlung legitimierten Institutionen.Sie fordert daher alle
an einer Behandlung Beteiligten auf, besonderen Wert auf die
Dokumentation aller im Zusammenhang geäußerten Hinweise und
Meinungen zu legen.
Nur durch eine lückenlose Dokumentation aller Untersuchungsergebnisse
aller beteiligten Behandler in der Patientenakte ist es möglich, eventuelle
„Kunstfehler“ zu Gunsten eines Betroffenen aufzuspüren und zu verwerten.
Hilde Schädle­Deininger beleuchtete den Weg zum Ziel eines
medikamenten­freien Lebens aus ihrem Erfahrungsspektrum Pflege. Die
Krisen im Zusammenhang mit dem Absetzen der Psychopharmaka
entstehen ja auch durch körperliche Entzugserscheinungen. Darum seien
gut informierte Pflegekräfte hier besonders gefragt. Pflegerische
Maßnahmen, die zum Wohlbefinden des Betroffenen beitragen, würden
immernoch unterbewertet.Besonders krass sei in diesem Zusammenhang
der Bewilligunsmodus in der ambulanten psychiatrischen Pflege:“
Unterstützung“ bei der Medikamenteneinnahme“. Die Fähigkeit, für
körperliches Wohlbefinden zu sorgen, steht in direktem Zusammenhang zu
unserem seelischen Gleichgewicht. Leider ist dieser Zusammenhang bisher
viel zu unterbewertet und vernachlässigt worden.
Nach diesem Referat war eine Zeit zur Erfrischung mit frei verfügbaren
Aufputsch bzw. Genußmitteln vorgesehen. Im Angebot waren alle Getränke,
die eine Kneipe im Sortiment bereitstellt, begleitet von Vitamin­und
Kalorienbomben in Form von Obst und , sowas darf im sozialen Bereich
unter keinen Umständen fehlen, obwohl es von der Projektförderung
ausgeschlossen ist, „Kontaktkekse“.Nur die Nikotinkonsumenten waren auf
Selbstversorgung angewiesen.
Nach der Pause wurden wir durch Anna Emmanouelidou über die Situation
in Griechenland informiert.Die materiellen Folgen der „Wirtschaftskrise“
beschrieb ich schon zu Beginn. Wesentlich für die Teilnehmer des
Symposiums war aber zusätzlich die Schilderung des praktischen
Vorgehens des Hellenistischen Observatoriums für Menschenrechte in der
Psychiatrie, deren Gründungsmitglied sie ist.
Damit wurde das „wie“ im Titel der Veranstaltung ausführlich und auch
nachvollziehbar bedient.
Mein persönliches, ironisches Fazit aus dieser Beschreibung der Konsequen
zen globalen Missmanagments ist ein altes, deutsches Sprichwort:
Not macht erfinderisch. Und/oder ­
was mir gestern noch beim Eintopfkochen mit den Lebensmitteln aus dem
Tafeleinkauf bestätigt wurde,
die „Habenichtse“ teilen das letze Hemd.
Von den Reichen haben wir nichts zu erwarten.
Obwohl auch deren Suppe nur mit Wasser gekocht wird
und auch sie nur auf einem Stuhl sitzen können.
Der letzte Beitrag wurde von Theodor Itten beigesteuert.
Er entbehrte nicht der Orginialität und weckte mit diesem Mittel die
abflauende Konzentrationsfähigkeit des Publikums.
Aus dem Land des Kräuterzuckers brachte er die eindrückliche Forderung
nach Rückbesinnung auf überlieferte natürliche Heilmethoden mit.
Gekoppelt mit der Kraft des Wortes.
Mit einer leckeren Brockoliecremesuppe, nicht nur lecker­auch gesund, wie
Experten dieser Fachrichtung bestätigen können, wurde dieser Vormittag
abgeschlossen. Das Wetter erlaubte auch die Nahrungsaufnahme im Freien,
ein weiteres Highlight nicht zu letzt für die Nikotinkonsumenten unter uns.
Zusammenfassen möchte ich, was mir aus Sicht einer P­E , die selbst erst
vor 2Jahren die sogenannte „Rückfallprophylaxe“ ausgeschlichen hat,
besonders bemerkenswert erschien.
Zum ersten mal wandten sich die „Profis“ an „Profis“, um Erkenntnisse,
Einsichten und Erfahrungen zu übermitteln und um Unterstützung zu
werben,
endlich von der Behandlung seelischer oder sozialer Leidenszustände mit
Psychopharmaka abzulassen. Gleichzeitig wurde ein Angebot zur
juristischen Unterstützung gemacht, wenn sich jemand aus der Gruppe der
Betroffenen entschliessen möchte, seine bisherigen Behandler rechtlich zu
belangen.
Außerdem wurden alle Betroffenen aufgefordert, nach unterstützenden
Profis zu suchen, weil auch der Druck aus der Betroffenengruppe einen
Beitrag zur Veränderung des „therapeutischen Angebots“ leistet. Schließlich
ist es ver­ brieftes Recht, dass jeder selbst entscheiden darf,welche Art der
Behandlung er für sich akzeptieren möchte.
Zuletzt ein Hinweiß aus der Selbsthilfe von P­E s.
Der Bundesverband für Psychiatrie­Erfahrene hat schon lange eine
„Gebrauchsanweisung“ für Absetzwillige vorrätig, dort wird nachvollziehbar
beschrieben, wie körperverträgliches Absetzen gehen kann.